Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lukas 24,5.6

Liebe Gemeinde,

am Grab eines geliebten Menschen mag sie zu hören sein, die Stimme der Verzweiflung und der Trauer: Jetzt ist alles aus! Alle gemeinsamen Pläne und Träume können nicht mehr verwirklicht werden.Vieles ist nicht ausgesprochen worden, und so manches würde mangerne noch mal los werden, aber nun ist es zu spät. Und vielleicht hätte man auch gerne noch manches vom Verstorbenen gehört, und nun wird man es nie erfahren.

Meine Großmutter starb mit über hundert Jahren und als Kind und Teenager hatte ich ein sehr intensives Verhältnis zu ihr. Doch dann kam die Familie und die beruflichen Pflichten, immer seltener wurden die Besuche. Schließlich war sie gegangen. Das ist nun 25 Jahre her; --und dennoch, auch heute noch fallen mir Fragen ein, die ich ihr niegestellt habe, aber doch gerne gestellt hätte...

Genau genommen geht mir das mit fasst jedem so, der vor mir gegangen ist. Mein Vater, einige Freunde, Tanten und Großtanten. Manche Gedanken an Sie enden in den Sackgassen weil ich keine Antwort mehr bekomme.

Der Tod ist endgültig. So dachten auch die Frauen, die sich auf denWeg gemacht hatten, ihren toten Herren für das Grab zurecht zu machen. Auch für sie waren mit ihm ein Traum und eine Hoffnung begraben. Die Hoffnung auf ein neues erstarktes Reich Israel, mit einen gottgewollten König an der Spitze. Die Hoffnung auf eine neue Gerechtigkeit, die niemanden mehr hungern lässt und die die Unterdrückung durch die Römer beendet.

Dabei war gerade das Einbalsamieren und die Form der Beisetzung Ausdruck der Hoffnung, die zumindest in einem Teil des jüdischen Volkes lebte: Am Ende aller Tage werden sich die Gräber öffnen und die Verstorbenen werden wieder lebendig sein.

Ihr sollt erfahren, dass ich der EWIGE bin, denn ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern. Von neuen will ich meinen Atem mit euch teilen, damit ihr wieder lebt.(Hesekiel 37,13+14a)

Für diese Heilsstadt am Ende aller Zeiten, so meinte man, wäre es gut, dass die Gebeine in ihren Gräbern geschützt bei einander seien. So bettete man die Toten in Felsengräbern gut vorbereitet zum Ewigen Schlaf.

Doch nun war das Grab leer. Der Leichnam verschwunden. Einen Stich muss den Frauen durch die Seele gegangen sein. Keine Vorbereitung für das Grab, hieß das nicht auch keine Vorbereitung für die Ewigkeit?

Doch dann standen sie da, die beiden Männer in ihren leuchtenden Gewändern: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Was für eine Frage? Lebendiger? Wer? - Jesus Lebendig? Eine Botschaft die verwundert, erschreckt und erfreut. Alles auf einmal.

Und in ihrer verwirrten Begeisterung laufen die Frauen los. Nur schnell zu den Jüngern, denn sie werden es wohl verstehen. Ja sie müssen verstehen, was die Botschaft bedeutet. Doch auch da herrscht zunächst

Verwirrung. Soll Man(n) den Frauen glauben?

Erst als Petrus sich selbst vom leeren Grab überzeugt, setzt sich langsam die Einsicht durch: Der Tod ist nicht endgültig!

Und doch ist diese Erkenntnis für uns nur mittelbar zu erfahren.

Durch Erinnerung an das eine historische Erlebnis und die eigene Erfahrung des Neuanfangs.

Als Christen bekennen wir es in unserer Taufe. Mit ihm sind wir gestorben begraben und auferstanden. Gerade unsere Form der Taufe betont dies. Mit ihm gehören wir auf die Seite der Sieger.

Christus ist auferstanden und nicht bei den Toten. ER lebt bei uns in unserer Gemeinschaft.

Erik Knitter